Medienrecht und Sport beim medienforum.nrw 2011
28.06.2011 – Dr. Dieter Frey moderierte die Veranstaltung "Das Runde muss ins Eckige: König Fußball und die Kosten der Alleinherrschaft" auf dem medienforum.nrw 2011. Bei der Veranstaltung „Ist der Sport zu exklusiv? – Grenzen der Vermarktung medialer Rechte“ des kfm beim medienforum.nrw 2011 hielt er eine Keynote und nahm teil an der sich anschließenden Paneldiskussion.
Dr. Dieter Frey stellte in seiner Keynote die wesentlichen Rechtspositionen, insbesondere das Hausrecht, der Sportveranstalter dar, die eine Vermarktung mit Exklusivrechten erstmal ermöglichen. Anhand des BGH-Urteils „Hartplatzhelden“ schilderte er die Problematik der Unterscheidung bei der Lizenzvergabe zwischen Amateur- und Profisport. Weiter gab er einen Überblick über den kartellrechtlichen Rahmen, wodurch die Einräumung weitreichender Exklusivrechte in erster Linie beschränkt ist. Er schilderte den derzeitigen Verfahrensstand für das im Herbst 2011 zu erwartende EuGH-Urteil im Fall „Karen Murphy“ über die Rechtmäßigkeit des Empfangs ausländischer Pay-TV-Ausstrahlungen von Premier-League-Spielen in England. Die Entscheidung könne sogar zur Aufgabe der üblicherweise territorial beschränkten Lizenzvergabe und in Zukunft zu einer ausschließlich europaweiten Vergabe führen, wenn der EuGH den Schlussanträgen der Generalanwältin Kokott folge. Sie ginge davon aus, dass die einzelstaatliche Vergabe medialer Rechte die Dienstleistungsfreiheit beschränke.
Als zentrales Thema des sich anschließenden Panels wurde das für alle Teilnehmer mit Spannung zu erwartende EuGH-Urteil zu „Karen Murphy“ aufgegriffen und über die möglichen Szenarien diskutiert. Dr. Dieter Frey berichtete, dass der Schutz des geistigen Eigentums nach Ansicht von Kokott keine Aufteilung des europäischen Binnenmarkts rechtfertige und prognostizierte „Vielleicht werden wir ein Bosman II erleben“. Damit zeigte er mögliche Parallelen zum Fall, des belgischen Profifußballers Jean-Pierre Bosman auf, der durch EuGH-Urteil erreichte, dass Profifußballspieler in der Europäischen Union nach Ende ihres Vertrages ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln dürfen und die im europäischen Sport bestehenden Restriktionen für Ausländer zu Fall brachte. Dr. Dieter Frey erklärte, ein EuGH-Urteil zu Ungunsten von BSkyB könne weitreichende Folgen für die gesamte Medienlandschaft in Europa haben. Diese Rechtsauffassung ließe sich dann auch auf Bereiche wie Musik, Film und E-Books übertragen. Rechteinhaber müssten daher in Zukunft europäische Vermarktungsstrategien entwickeln.
Weiterer Anknüpfungspunkt in der Diskussion war die aktuell bekanntgegebene Stellungnahme des Bundeskartellamts zur DFL-Vermarktungsstrategie der Bundesliga 2013/2014. Nach einer vorläufigen Bewertung ließ das Bundeskartellamt die neu geplante Highlightberichterstattung ab 19:00 Uhr im Internet und durch Mobilfunk und erst nach 21:45 Uhr im Free-TV zu. Damit würde die bisherige Praxis, der Free-TV-Ausstrahung vor 20 Uhr gekippt. Dr. Dieter Frey hielt dies für einen eindeutigen Shift hin zu neuen Medien, gab aber auch zu Bedenken, ob die Reichweite dort ähnliche Dimensionen erreichen könne wie im Free-TV.
siehe auch Tagungsbericht des medienforum.nrw zur Veranstaltung „Ist der Sport zu exklusiv? - Grenzen der Vermarktung medialer Rechte“
und Tagungsbericht des medienforum.nrw zur Veranstaltung „Das Runde muss ins Eckige: König Fußball und die Kosten der Alleinherrschaft"
Veranstaltungen jetzt auch in voller Länge abrufbar auf der Homepage des medienforum.nrw:
"Ist der Sport zu exklusiv? - Grenzen der Vermarktung medialer Rechte"
"Das Runde muss ins Eckige: König Fußball und die Kosten der Alleinherrschaft"




